Übergangsfrist für Reverse-Charge-Verfahren endet am 01.01.2015 - sync4

Posted on

Die Übergangsfrist des Reverse-Charge-Verfahren, die Umkehrung der Steuerschuld oder auch Abzugsverfahren sind geänderte Regelungen bei der Umsatzsteuer und laufen am 01.01.2015 aus. Nach diesem Verfahren muss der Kunde und nicht das leistende Unternehmen die Umsatzsteuer entrichten. In Folge des Reverse-Charge-Verfahrens darf das Unternehmen dem Kunden nur das Nettoentgelt in Rechnung stellen. Daraus entsteht für den Kunden in der Folge eine Umsatzsteuerschuld gegenüber dem Finanzamt. Ist der Leistungsempfänger vorsteuerabzugsberechtigt, kann er den Betrag selbst wieder als Vorsteuer anrechnen.

Seit dem 1. Januar 2010 gilt als Grundregel, dass Leistungen an Unternehmen in dem Land steuerbar sind, in welchem die Leistung erbracht worden ist. Rechtsgrundlage ist §13b UStG. Dienstleistungen sind vom Leistungsempfänger zu versteuern.

In dem Fall der Steuerschuldumkehr muss auf der Rechnung die Formulierung „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ vorhanden sein. Diese Formulierung sollte auf allen Rechnungen aus dem Ausland stehen. International ist die englische Formulierung die bekannteste: „Reverse Charge“. Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen schlägt folgenden Mustersatz vor: „Auf die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nach § 13b UStG wird hingewiesen. Der Steuersatz beträgt 19 %“.

Warenlieferung oder Werklieferung: Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen Warenlieferungen, Werklieferungen und sonstigen Leistungen (Dienstleistungen). Liefert ein Unternehmen im Ausland einen Computer an ein deutsches Unternehmen, handelt es sich um eine Warenlieferung. Baut das Unternehmen den Computer beim Kunden in Deutschland auch auf, handelt es sich um eine Werklieferung. Natürlich gilt die Steuerschuldumkehr (Reverse Charge) auch für die Werklieferung. Die Steuerschuld entsteht dort, wo das Werk geliefert wird. Warenlieferung oder sonstige Leistungen (Dienstleistungen) müssen zudem physisch erfolgen.

Beispiel (Reverse Charge): Ein Unternehmen in Deutschland kauft eine neue Software bei einem Unternehmen im Ausland. Es lädt die Software beim Anbieter im Ausland herunter oder bekommt eine Datei per E-Mail zugeschickt. Hierbei handelt  es sich eine Dienstleistung, im Steuerrecht als „sonstige Leistung“ bezeichnet.

Beispiel (kein Reverse Charge): Wird die Software hingegen physisch auf einen Datenträger kopiert und an den Kunden ausgeliefert, handelt es sich um eine Warenlieferung,

Leistung aus dem EU-Ausland
Beispiel: Ein Unternehmen in Österreich benötigt Hilfe bei einer neuen Software. Dazu wendet es sich an ein deutsches IT-Unternehmen. Dieses leistet Beratung und programmiert. Die Rechnung darf keine Umsatzsteuer enthalten. Zwingend erforderlich ist der Hinweis: „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“. Das Unternehmen in Österreich schlägt die österreichische Umsatzsteuer auf, deklariert den Betrag dem Finanzamt und zieht die Steuer bei der Vorsteuer wieder ab. Für den Sachverhalt spielt es keine Rolle, ob die Experten aus Deutschland vor Ort in Österreich arbeiten. Die Regelung gilt auch für Werklieferungen aus dem EU-Ausland.

Eine Rechnung für und aus dem Ausland muss folgende Angaben enthalten:

  1. den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers,
  2. den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des Leistungsempfängers,
  3. die dem leistenden Unternehmer erteilte Umsatzsteueridentifikationsnummer
  4. die dem Leistungsempfänger erteilte Umsatzsteueridentifikationsnummer
  5. das Ausstellungsdatum
  6. eine fortlaufende Nummer mit einer oder mehreren Zahlenreihen, die zur Identifizierung der Rechnung vom Rechnungsteller einmalig vergeben wird (Rechnungsnummer),
  7. die Menge und die handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände der Lieferung oder die Art und den Umfang der sonstigen Leistung,
  8. den Zeitpunkt der Lieferung oder der sonstigen Leistung oder der Vereinnahmung des Entgelts oder eines Teils des Entgelts bei Vereinnahmung des Entgelts für eine noch nicht ausgeführte Lieferung oder Leistung,
  9. das nach Steuersätzen und einzelnen Steuerbefreiungen aufgeschlüsselte Entgelt für die Lieferung oder sonstige Leistung (§ 10 UStG) sowie jede im Voraus vereinbarte Minderung des Entgelts, sofern sie nicht bereits im Entgelt berücksichtigt ist und
  10. einen Hinweis auf die Steuerschuld des Rechnungsempfängers.
    Umsatzsteuerindentifikationsnummern von Unternehmen in der EU lassen sich beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) prüfen. Wer Rechnungen ins Ausland stellt, sollte ebenfalls auf den Hinweis der Steuerschuldumkehr achten. Die Handelskammer Hamburg hat im Internet eine Liste mit entsprechenden Formulierungen in allen Amtssprachen der Europäischen Union (EU) zusammengestellt.

 

Quelle: Herr Wolff von Rechenberg Redakteur bei reimus.NET.